Nikosia braucht Platz für Bewegung – und den Mut, ihn zu schaffen

Eine Sportakademie, eine Mehrzweckhalle, Fußballplätze und Raum zum Laufen: Mehmet Aktunç hat für den Norden Nikosias einen umfassenden Sportkomplex angekündigt. Die Idee verdient Unterstützung – und einen verbindlichen Plan, damit daraus mehr wird als ein Wahlversprechen.

Eine Stadt besteht nicht nur aus Straßen, Parkplätzen und Gebäuden. Sie lebt davon, was "Menschen" zwischen diesen Gebäuden miteinander anfangen können. Wo Kinder spielen. Wo Jugendliche trainieren. Wo Vereine ein Zuhause finden. Wo auch diejenigen willkommen sind, die weder Meister werden noch Medaillen gewinnen wollen.

Genau deshalb verdient der Vorschlag eines neuen Sportkomplexes für Lefkoşa, den nördlichen Teil Nikosias, Aufmerksamkeit. Mehmet Aktunç, Bürgermeisterkandidat der Ulusal Birlik Partisi (UBP), hat bei einem Besuch des türkisch-zyprischen Fußballverbands KTFF eine kommunale Sportakademie und eine umfangreiche Sportanlage in Aussicht gestellt.

Als Expats, die hier integriert sind, ist unsere Haltung dazu klar: Diese Idee sollten wir alle unterstützen. Nicht als parteipolitischen Blankoscheck, sondern als Forderung an eine Stadt, die ihren Bürgern mehr Raum für Bewegung und Begegnung geben sollte. Denn Sport gehört nicht an den Rand der Stadtpolitik. Er gehört mitten hinein.

Mehr als vier Fußballplätze!

Nach dem Bericht von Kıbrıs Postası vom 22. Oktober sieht Aktunçs Vorschlag folgende Einrichtungen vor:

Hinzu kommen soll eine Sportakademie in kommunaler Trägerschaft, die Kindern und Jugendlichen Zugang zu verschiedenen Disziplinen eröffnet. Aktunç kündigte außerdem einen eigenen Sportansatz im Gemeindehaushalt und eine stärkere Unterstützung von Vereinen und Sportaktivitäten an.

Das ist mehr als die Ankündigung eines weiteren Fußballplatzes. Es ist der Entwurf eines Ortes, an dem unterschiedliche Menschen und Sportangebote zusammenkommen könnten. Genau darin liegt seine Stärke.

Eine Hauptstadt braucht Orte, an denen alle mitspielen können

Stellen wir uns diesen Ort nicht zuerst als Bauprojekt vor. Sondern an einem ganz gewöhnlichen Nachmittag.

Auf einem Platz trainiert eine Jugendmannschaft. In der Halle läuft ein Kurs. Eltern gehen eine Runde, während ihre Kinder Sport treiben. Später kommen Berufstätige, die nach einem langen Tag Bewegung suchen. Am Wochenende nutzen Vereine die Anlage, ohne dass Freizeitsportler deshalb vollständig ausgeschlossen werden.

So sollte ein kommunaler Sportkomplex gedacht werden: nicht als abgeschlossene Bühne für wenige, sondern als öffentlicher Raum für viele. Nicht jedes Kind wird Leistungssportler. Das muss es auch nicht. Eine gute Sportpolitik erkennt ihren Wert nicht allein an Tabellen, Titeln oder Auswahlmannschaften. Sie fragt, wie viele Menschen überhaupt die Möglichkeit erhalten, regelmäßig mitzumachen.

Eine Stadt darf stolz auf erfolgreiche Athleten sein. Noch stolzer sollte sie darauf sein, wenn niemand aus finanziellen oder praktischen Gründen vor verschlossenen Türen steht. Eine Sportakademie darf keine Talentsortiermaschine werden.

Die angekündigte Akademie könnte ein wichtiger Bestandteil des Vorhabens sein. Entscheidend wäre allerdings ihre Ausrichtung. Soll sie vor allem die bereits besonders Begabten fördern? Oder soll sie zunächst möglichst vielen Kindern ermöglichen, unterschiedliche Sportarten kennenzulernen?

Beides lässt sich verbinden. Aber die Reihenfolge zählt.

Wer früh aussortiert, verliert möglicherweise genau jene Kinder, für die ein verlässliches Angebot besonders wertvoll wäre. Deshalb sollte eine kommunale Akademie nicht nur nach dem schnellsten Läufer und dem besten Fußballer suchen. Sie sollte auch dem unsicheren Kind einen Anfang ermöglichen, dem sportlich unerfahrenen Jugendlichen einen Platz geben und Mädchen dieselbe Aufmerksamkeit widmen wie Jungen.

Dafür braucht es qualifizierte Betreuung, klare Schutzkonzepte und Angebote, die nicht vom Einkommen der Eltern abhängen. Die Akademie sollte keine schöne Überschrift bleiben. Sie braucht einen pädagogischen und sportlichen Auftrag.

Unterstützung heißt auch: die richtigen Fragen stellen

Bei aller Zustimmung muss eines deutlich bleiben: Bislang handelt es sich lediglich um eine "Ankündigung" eines Bürgermeisterkandidaten. Der vorliegende Bericht nennt weder einen konkreten Standort noch einen bezifferten Finanzierungsplan oder einen verbindlichen Bauzeitplan. Auch ein bereits gefasster Umsetzungsbeschluss wird darin nicht ausgewiesen. Das macht die Idee nicht schlechter. Es macht die nächste Phase umso wichtiger.

Wer einen solchen Komplex verspricht, sollte beantworten:

  1. Wo soll die Anlage entstehen, und wie ist die Fläche gesichert?

  2. Was kosten Bau, Ausstattung und Erschließung?

  3. Aus welchen Mitteln wird das Projekt finanziert?

  4. Welche jährlichen Betriebs- und Instandhaltungskosten sind zu erwarten?

  5. Wer übernimmt die Leitung und vergibt die Nutzungszeiten?

  6. Wie werden Schulen, Vereine und Freizeitsportler beteiligt?

  7. Welche Gebühren sind vorgesehen – und welche Ermäßigungen?

Auch die angekündigten zwölf Kilometer Gehbereich verdienen eine verständliche Erläuterung: Geht es um ein Wegenetz innerhalb des Geländes, mehrere verbundene Strecken oder einen weiter gefassten Stadtraum? Der Bericht lässt diese Ausgestaltung (noch) offen.

Solche Fragen sind keine kleinliche Gegenwehr. Sie sind der Unterschied zwischen Begeisterung für ein Bild und Verantwortung für ein Projekt.

Nicht nur bauen – den Betrieb sichern

Ein Sportkomplex ist nicht mit der Eröffnung fertig.

Dann beginnt der Alltag: Reinigung, Reparaturen, Platzpflege, Personal, Buchungen, Beleuchtung und verlässliche Öffnungszeiten. Genau dafür muss Geld vorgesehen sein – nicht nur für die feierliche Übergabe. Unsere Forderung sollte deshalb lauten: lieber ein nachvollziehbar geplantes, dauerhaft nutzbares Projekt als eine spektakuläre Anlage, deren Unterhaltung später zum ungelösten Problem wird.

Dazu gehört auch die Erreichbarkeit. Ein Jugendlicher ohne eigenes Auto sollte nicht schon auf dem Weg zum Training scheitern. Sichere Zugänge für Fußgänger und Radfahrer, barrierefreie Wege sowie eine sinnvolle Anbindung müssen deshalb von Anfang an mitgedacht werden.

Eine Anlage kann auf dem Plan öffentlich sein und im Alltag trotzdem viele ausschließen. Genau das gilt es zu verhindern.

Vereine beteiligen, ohne die Anlage zu vereinnahmen

Dass Aktunç das Vorhaben beim Fußballverband vorgestellt hat, ist nachvollziehbar. Vereine und Verbände sollten ihre Erfahrungen einbringen können.Doch ein kommunaler Komplex muss mehr sein als eine neue Heimat für den organisierten Fußball.

Er sollte auch Menschen erreichen, die keinem Verein angehören. Andere Sportarten brauchen faire Nutzungszeiten. Schulen sollten beteiligt werden. Menschen mit Behinderungen dürfen nicht erst nachträglich berücksichtigt werden. Und attraktive Abendstunden sollten nicht automatisch wenigen besonders durchsetzungsstarken Nutzern zufallen.

Die Regeln dafür gehören früh auf den Tisch. Öffentlich finanzierte Sportinfrastruktur braucht einen öffentlichen Auftrag – und transparente Entscheidungen darüber, wer sie wann nutzen darf.

Keine Parteifrage, sondern eine Frage der Lebensqualität

Aktunç verband seine Ankündigung mit Kritik an der bisherigen Stadtführung und ungelösten Alltagsproblemen. Diese Vorwürfe sind seine politische Bewertung; der Bericht liefert dazu keine unabhängige Bilanz. Für die Unterstützung des Sportprojekts müssen wir diese Wahlkampflinie nicht übernehmen.

Die bessere Forderung richtet sich an alle Verantwortlichen: Prüft den Vorschlag ernsthaft. Verbessert ihn, wo nötig. Bezieht die späteren Nutzer ein. Legt Kosten und Zuständigkeiten offen. Und sorgt dafür, dass die Idee nicht mit dem Wahlkampf endet.

Gute kommunale Projekte sollten nicht daran scheitern, dass der politische Gegner sie zuerst ausgesprochen hat. Wer Nikosia lebenswerter machen will, sollte sich an der Qualität der Lösung messen lassen – nicht an der Farbe des Absenders.

Nikosia braucht keine weitere schöne "Zeichnung"

Eine Hauptstadt braucht Orte, an denen Gemeinschaft praktisch wird. Nicht nur bei Festreden, sondern dienstags nach der Schule, donnerstags nach Feierabend und am Wochenende mit der Familie. Ein gut geplanter Sportkomplex könnte ein solcher Ort sein.

Deshalb verdient Aktunçs Vorschlag eine leidenschaftliche Unterstützung – verbunden mit einer ebenso klaren Erwartung: Jetzt müssen aus den angekündigten Flächen ein belastbares Konzept, aus dem Konzept ein finanzierbarer Plan und aus dem Plan verlässliche Angebote für die Menschen werden.

Nicht irgendwann. Nicht nur für die nächste Broschüre. Und nicht ausschließlich für die besten Sportler.

Sondern für eine Stadt, in der mehr Menschen mitmachen können.




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